Du betrachtest gerade Plattenladen des Monats: 07/26

Plattenladen des Monats: 07/26

Auch im Juli stellen wir einen unserer teilnehmenden RSD-Plattenläden vor und geben euch mit einem kurzen Interview spannende Einblicke in den Alltag der Inhaber:innen.

Unser Plattenladen des Monats Juli 2026 ist:
DE PLAAT in Esens. Wir haben mit der Inhaberhin Betty Hähner gesprochen und sie hat uns folgende Fragen beantwortet:

***********************************************************************************

  • Seit wann gibt es euren Plattenladen?

„Das De Plaat gibt es seit 2020 in Esens. Wir konnten aufgrund des Lock Downs erst im Mai 2020 eröffnen. Von Anfang an war die Idee, nicht einfach Schallplatten zu verkaufen, sondern in Esens einen Ort zu schaffen, an dem Menschen Musik bewusst erleben können – mit Zeit für Gespräche und Raum für Entdeckungen.“

  • Was macht euren Laden einzigartig oder besonders?

Wir verkaufen keine Schallplatten – wir empfehlen Musik. Das ist ein Unterschied zum Online Store. Viele unserer Kundinnen und Kunden kommen nicht mit einer Einkaufsliste, sondern mit Neugier. Wir hören zu, fragen nach und finden oft genau die Platte, von der sie noch gar nicht wussten, dass sie ihnen fehlen würde. Dazu kommen guter Kaffee, Bücher, Kunst, und Gespräche. Es ist eher ein kultureller Treffpunkt als ein Geschäft.“

  • Welche Platte läuft bei euch aktuell am häufigsten im Laden?

„Das wechselt ständig. Im Moment läuft bei uns viel zwischen Indie, Punk, Jazz und elektronischer Musik. Wir legen lieber Alben auf, die überraschen, als die immer gleichen Klassiker. Derzeit WU LYF, A wave that will never breake.“

  • Was bedeutet der Record Store Day für euch?

„Der Record Store Day erinnert daran, warum unabhängige Plattenläden wichtig sind. Natürlich freuen wir uns über besondere Veröffentlichungen. Noch wichtiger ist aber, dass Menschen zusammenkommen, stöbern, sich austauschen und neue Musik entdecken. Genau dafür gibt es unabhängige Läden.“

  • Welche Platte war die erste und letzte, die ihr im Laden verkauft habt?

„Die erste verkaufte Platte war Arlo Parks, Collapsed in Sunbeans die letzte ändert sich jeden Tag – und das ist auch gut so. Gestern war es Total: From New Order to Joy Division. Wichtig sind die Geschichten rund um das Vinyl.“

  • Welche Genres oder Künstler:innen liegen euch besonders am Herzen?

„Wir sind offen für gute Musik. Indie, Punk, Jazz, elektronische Musik, Singer-Songwriter, Hip-Hop oder Soul – entscheidend ist nicht das Genre, sondern ob ein Album etwas erzählt. Besonders spannend finden wir Künstlerinnen und Künstler, die ihren eigenen Weg gehen.“

  • Wenn euer Laden ein Song wäre, welcher wäre es?

„The Ship Song“ von Nick Cave & the Bad Seeds. Wir hatten das große Vergnügen Live Nick Cave & Blixa Bargeld diesen Song performend zu sehen & zu hören. Weil dieser Song für das steht, was wir an Musik lieben: Ehrlichkeit, Tiefe und die Fähigkeit, Menschen zu berühren. Gute Musik verbindet Generationen, weckt Erinnerungen und schafft neue. Genau das passiert bei uns fast jeden Tag.
Come sail your ships around me and burn your bridges down – we make a little history, baby Every time you come around; bei uns im De Plaat.“

  • Was war die unvergesslichste Situation, die euch je im Plattenladen passiert ist?

„Ein älterer Kunde kaufte bei uns eine Platte, die ihn sofort begeisterte. Zwei Jahre lang kamen er und seine Frau im Urlaub wieder vorbei. Nachdem er gestorben war, standen seine Frau und seine Tochter plötzlich im Laden. Sie erzählten mir, wie oft sie gemeinsam genau diese Platte gehört hatten und dass sie seine Sammlung behalten wollten, um ihn beim Hören in Erinnerung zu behalten. Da hatte ich Tränen in den Augen. In solchen Momenten merkt man: Wir verkaufen keine Tonträger – wir begleiten Erinnerungen.

  • Was bedeutet für euch eure Community/Kundschaft?

„Ohne unsere Kundinnen und Kunden gäbe es das De Plaat nicht. Viele kommen längst nicht mehr nur zum Einkaufen, sondern auf einen Kaffee, zum Austausch oder einfach, um kurz Musik zu hören. Es entstehen Freundschaften, Gespräche und manchmal Geschichten, die weit über Schallplatten hinausgehen. Genau das macht uns als unabhängigen Plattenladen aus.“

Vielen Dank an Betty! 🙂

Weitere PdM-Interviews könnt ihr hier lesen: ART BOX in Ravensburg, LP CAFÈ in Wien, SCHEIBENKLEISTER in Oldenburg, Der PLATTENLADEN in Freiburg, MUSICLAND in Berlin, RIMPO in Tübingen